Johann Amos Comenius – Ein bodenständiger Christ und Pädagoge

Comenius verlor früh seine Eltern, Verwandte und später nacheinander seine Ehefrauen und zum Teil auch Kinder. Es war ein Leben voller Umbrüche, Not und Verfolgung in schwierigen Zeiten, die den Übergang vom Mittelalter in die Neuzeit ausmachten. Ein wichtiger Halt in seinem Leben war der christliche Glaube. Dabei gehört er einer Brüdergemeinde an, die den Laiendienst und nicht etwa das Kirchenamt betonte. Ihm war es wichtig, dass Menschen in Gottes Nähe sind und so innerlich zur Ruhe kommen können. Eine “Einübung ins Christentum” und die Konzeption einer “Natürlichen Pädagogik”standen daher an erster Stelle. Diese Pädagogik sollte anschaulich, beispielhaft und lebendig aufgebaut sein. Über das “natürliche” Verstehen sollte das zwanghafte Belehren gemieden werden.  Schließlich entwickelte Comenius den Gedanken eines ganzheitlichen Wissens (Pansophie) mit dem Ziel, den Menschen allumfassend zu bilden und ihm die Möglichkeit zu geben, sein jenseitiges Leben schon auf Erden gut vorzubereiten. Comenius wollte aus der theoriebelasteten “Tretmühle Schule” einen gewaltfreien, spielerischen, praxisnahen Ort machen, musste aber erkennen, dass dies gesellschaftlich nicht gewollt war. Nach Comenius sollten alle (!) (Menschen) auf umfassende Weise in allen Dingen anschaulich unterrichtet werden. Prinzipiell sei jeder(!) Mensch in der Lage, alles zu verstehen. Der Stoff sei je nach Alter etc. graduell unterschiedlich zu vermitteln, jedoch zähle die eigene Einsicht, nicht die Autorität der Lehrer. Die Schulqualität soll verbessert, die Unterrichtszeit verkürzt werden. Anschaulich und lebensnah soll der Unterricht sein, für die Sinne anregend gestaltet sein. Die Begründung für dieses Verständnis zieht Comenius aus der Bibel, wo der Mensch – Mann und Frau – mit Gottes Ebenbild verglichen wird. Im Auftrag Gottes solle der Mensch versuchen, schöpferische Ordnung ins irdische Chaos herzustellen. Zwar bestimmt der Glaube grundsätzlich die menschliche Handlung, doch gründet diese auf Vernunft. Doch überhöht Comenius die Vernunft keineswegs, indem er sie über alles andere stellt, sondern betont, dass die eigene Wahrnehmung durch die Sinne ebenfalls wesentlich sind. Comenius selbst äußerte sich wie folgt: “Wie geartet die Kinder geboren werden, liegt in keines Hand. Aber dass sie durch richtige Erziehung gute (Menschen) werden, das steht in unserer Macht.” Comenius, ein Mensch, der selbst durch Höhen und Tiefen ging und im Glauben Halt gewann. Er war mehr als nur der erste “Kinderbuchautor.” Wer seine Pädagogik verstehen will, ahnt, wie wertvoll sie noch heute ist.

Silvio Ströver, Diplom-Pädagoge

Benutzte Quelle:

Regina Bojack, Barbara Bojack:

Comenius, ein moderner Pädagoge.

Wismar Discussion Papers / Heft 03/2008 (Kramer Hrsg.)

http://www.wi.hs-wismar.de/~wdp/2008/0803_BojackBojack.pdf

Ein Gedanke zu „Johann Amos Comenius – Ein bodenständiger Christ und Pädagoge

  1. Pingback: Strövers Paedblog» Blogarchiv » Johann Amos Comenius (1592 – 1670): Der erste neuzeitliche Pädagoge

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *