Kategorie-Archiv: 2006

Weitere, frühere Blogbeiträge neu integriert

Nach einer Software-Umstellung  habe ich nun einige ältere Weblogbeiträge aus dem Jahr 2006 wieder neu ins Paedblog einfügen können:

http://www.paedblog.de/2006

Auch einige, naturpädagogische Blogbeiträge aus den Jahren 2006 und  2007 stellte ich wieder ins Naturpaedblog:

http://www.natur.paedblog.de/2006/

bzw.

http://www.natur.paedblog.de/2007/

Weitere Beiträge aus früheren Jahren werden in Bälde nach und nach erneut veröffentlicht.

Silvio Ströver, Diplom-Pädagoge

Frohes neues 2007!

Wünsche ich allen Paedblogbesucherinnen und -besuchern!

Hier zwei Dortmunder Video-Impressionen von der letzten Silvesternacht 2005-2006 (Aufnahme: Dortmund-Asseln, Asselner Hellweg):

http://paedblog.de/2006_01_01_a_06_silvesterknallerei_02_kirche_01_.AVI

http://paedblog.de/2006_01_01_a_10_silvesterknallerei_06b_asselner_hellweg_03_.avi

Bis zum nächsten Jahr,

Silvio Ströver, Diplom-Pädagoge

Gesetz zur Einführung des Elterngeld

Auf den Seiten des Bundesministeriums für Familie, Frauen, Senioren und Jugend liest man u. a.:

Bundesrat verabschiedet das Gesetz zur Einführung des Elterngelds!
Nach dem Deutschen Bundestag hat jetzt auch der Bundesrat das Gesetz zur Einführung des Elterngelds verabschiedet. Damit steht fest – das Elterngeldgesetz tritt wie geplant zum 1. Januar 2007 in Kraft.

Wer sich informieren möchte, wer Elterngeld erhält, kann diese Broschüre (im Pdf-Format) lesen und hier selbst überschlagen, wie hoch der Betrag sein könnte:

http://www.bmfsfj.de/RedaktionBMFSFJ/Broschuerenstelle/Pdf-Anlagen/PRM-24375-Broschure-Elternzeit.pdf

Silvio Ströver, Diplom-Pädagoge

Strenge Erziehung fördert das Rauchverhalten

Zigaretten-Kippen (Foto: Copyright © & Urheberrechte: Silvio Ströver / Fotografiert am 10.03.2007, nachträglich in diesen Paedblog-Artikel eingefügt)

Zigaretten-Kippen (Foto: Copyright © & Urheberrechte: Silvio Ströver / Fotografiert am 10.03.2007, nachträglich in diesen Paedblog-Artikel eingefügt)

Hoffentlich haben Sie schöne Weihnachtsfeiertage gehabt! – Hier geht es gleich weiter mit einem suchtpädagogischen Thema. Nachdem nun ein einheitliches Rauchverbot politisch gekippt ist, wird Deutschland vermutlich ein Flickenteppich, was die Regelungen und Maßnahmen anbetrifft, Rauchen in der Öffentlichkeit einzudämmen, um so Nichtraucher (u. a. Kinder) zu schützen. Über die erzieherischen Möglichkeiten, auf das Rauchverhalten von Jugendlichen einzuwirken, ist schon oft spekuliert worden. Doch es scheint so zu sein, als ob der Erziehungsstil der Eltern entscheidend dazu beitragen kann, ob Jugendliche zum Glimmstengel greifen oder nicht. So bewirkt offenbar eine autoritärer Erziehungsstil, dass der Nachwuchs empfänglicher auf die Zigaretten-Werbung reagiert, als liberal erzogene Jugendliche. Selbstverständlich bedeutet dies nicht, dass ein autoritärer Erziehungsstil immer der „schlechtere“  ist.

Doch bevor man dazu übergeht, auch noch „Tom & Jerry“ das Rauchverbot zu erteilen, verweise ich lieber auf einen Artikel von Erwin Schotzger  über die Wirkung von Zigaretten-Werbung auf Jugendliche: http://athene.innovations-report.de/html/berichte/gesellschaftswissenschaften/bericht-11407.html.

Um besser zu verstehen, welche Erziehungsstile es überhaupt gibt, klicken Sie hierzu auch auf den Link zu einem Wikipedia-Artikel:

http://de.wikipedia.org/wiki/Erziehungsstil

Silvio Ströver, Diplom-Pädagoge

Pädagogisch wertvolle Links

Und wieder habe ich einige pädagogisch relevante Links gesammelt, die ich gerne an meine Paedblog-Besucher/-innen weitergebe.

Erziehung – Elternpädagogik(*):

Oft suchen (gerade junge) Eltern nach interessanten Zeitschriften, die die Erziehung von Kindern (http://vorschul.paedagoge.net/links_fuer_eltern.html) thematisieren. Besonders ergiebig dürfte das große Forum „Eltern ans Netz“ sein, ein entsprechender Link dazu findet sich ebenfalls in einer meiner frühpädagogischen Link-Rubrik.

Erziehung – christliche Erziehung / Religionapädagogik / Interkulturelle Pädagogik(**):

Religiöse Erziehung ist ein bisweilen schwieriges Erziehungsfeld. Momentan scheinen sich viele Eltern gegen eine  religiöse Erziehung auszusprechen. Daher verweise ich gerne auf religionspädagogische Links, die die pädagogische Bedeutung von religiöser Erziehung beschreiben. Diese Linksammlung finden Sie auf meiner religionspädagogischen Webseite http://religions.paedagoge.net/links_religioese_erziehung.html.

Schließlich noch etwas Persönliches. Ich lade Sie herzlich ein, meine Adventspredigt (***) zu lesen, die ich am 17.12.2006 in der Evangelisch-Freikirchlichen Gemeinde Dortmund-Asseln gehalten habe:http://religions.paedagoge.net/predigten_2006_12_17_kommet_doch_all.html.

Ich wünsche allen Paedblog-Leserinnen und Paedblog-Lesern ein frohes Weihnachtsfest!

Silvio Ströver, Dipl.-Päd.

Nachtrag:

Der Eltern-Link(*) befindet sich inzwischen hier: http://www.eltern-ans-netz.de. Meine einstige frühpädagogische Webseite ist ins Paedblog integriert worden.

Hier finden Sie des Weiteren die religionspädagogischen  Links (**), die ich 2006 noch  auf meiner religionspädagogischen Webseite in Form einer Liste angegeben hatte:

Religiöse Erziehung als Lebenshilfe (http://www.familienhandbuch.de/cmain/f_Fachbeitrag/a_Erziehungsbereiche/s_79.html)Bernhard Grom – Das Online-Familienhandbuch – Religiöse Erziehung kann prosoziales Verhalten fördern.

Onlineressourcen: Ethische und religiöse Erziehung und Bildung (http://www.bildungsserver.de/db/fachlist.html?fach=4966&current=5&second=1)Deutscher Bildungsserver – Wissenschaftlich recherchiert & verlässlich dokumentiert.

Religiöse Erziehung – ein Auslaufmodell? ( http://www.eltern.de/forfamily/schule_erziehung/erziehung/religion_pro.html) Eltern.de-Redakteur Peter Frick hat ein Plädoyer für eine christliche Erziehung geschrieben.

Was meinen Sie: Soll man Kinder religiös erziehen? UMFRAGE DES MONATS – Chrismon.de (Dieser Link scheint inzwischen nicht mehr zu funktionieren).

Warum bin ich geboren? (http://www.christ-in-der-gegenwart.de/aktuell/artikel_angebote_detail?k_beitrag=883643) Religion im Kindergarten – eine Chance für Kinder, Erzieherinnen, Familien und Gemeinden.

Die frühere religionspädagogische Webseite mit meiner Predigtrubrik (***) gibt es inzwischen auch nicht mehr, da die pädagogischen Beiträge ins Paedblog übertragen wurden. Die Adventspredigt können Sie jedoch hier gerne als Pdf-Datei downloaden:

http://paedblog.de/2006_12_17_s._stroever_kommet_doch_all_.pdf

Wer sich zudem über meine Ev. Freikirche (Dortmund-Asseln) informieren möchte, kann dies inzwischen auch auf der Webseite tun: http://asselner.gemeinde-inter.net

Silvio Ströver, Dipl.-Pädagoge

Unsinn

Kinder, lasst uns Unsinn machen
Kinder, lasst uns Unsinn machen,
denn das Schönste auf der Welt
ist es, über nichts zu lachen,
ganz umsonst und ohne Geld.

Michael Ende

3 pädagogische Umfragen

Gleich drei Umfragen mit jeweils zehn Antwortmöglichkeiten biete ich Ihnen an! Die Umfragen habe ich auf meinen unterschiedlichen Seiten ins Netz gestellt.

Diese Umfragen können schnell mit einem Klick beantwortet werden, das Ergebnis kommt sofort: Eine Graphik mit Stimmenanzahl (inkl. Prozentangaben) erscheint, so erfahren Sie, wie Sie & andere Besucher abgestimmt haben!
Umfragen:

Pädagogik der Frühen Kindheit:
http://vorschul.paedagoge.net/ihre_meinung_zaehlt.html
Schulpädagogik:
http://schul.paedagoge.net/umfrage_hat_die_schule_spass_gemacht.html
Religionspädagogik:
http://religions.paedagoge.net/umfrage_glauben_sie_an_gott.html

 

Nachtrag:

Inzwischen existieren die oben genannten pädagogischen Webseiten nicht mehr.  Die verschiedenen Webseiten-Inhalte habe ich größtenteils in dieses  Paedblog integriert, die Umfragen aus dem Jahr 2006 sind allerdings nicht mehr online.

Silvio Ströver, Dipl.-Päd.

Ein traumapädagogisches Angebot im Netz

Wenn ein Kind ein Trauma erlitten hat, dauert es oft eine lange Zeit, bis man gute Hilfe gefunden hat. – Vorhin bin ich auf eine interessante Seite: http://www.traumapaedagogik.de/ aufmerksam geworden, auf dieser wird traumapädagogische Arbeit für Kinder angeboten.

Weitere Informationen bzw. weiterführende Links finden Sie dort ebenfalls:  http://www.traumapaedagogik.de/index.php?option=com_weblinks&view=category&id=2%3Agrundlagen&Itemid=48.

Silvio Ströver, Dipl.-Pädagoge

Arbeitslosigkeit unter Diplom-PädagogInnen

Wie ich jetzt in einem alten Artikel (Quelle leider unbekannt), der sich auf Zahlen bis 1999 stützte, las, gab es in den letzten Jahren eine Anzahl von ca. 3300 bis 3600 arbeitslose Diplom-Pädagoginnen und Pädagogen pro Kalenderjahr.

Ein Großteil der Stellen wurde bisher durch Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen finanziert. Der Artikel weist darauf hin, dass bei zunehmenden Engpässen der öffentlichen Kassen mit einem Ansteigen der Arbeitslosenquote bei Dipl.-PädagogInnen gerechnet werden müsse. Daher sei es  für päd. BewerberInnen wichtig, verstärkt private Unternehmen und wirtschaftliche Betriebe zu kontaktieren bzw.  sich dort zu bewerben. Zusatzqualifikationen seien ebenfalls ein Pluspunkt, die Arbeitslosigkeit zu überwinden.

Neuere Zahlen habe ich nun in einer Pdf-Datei gefunden. Diese Broschüre wurde von der Bundesagentur für Arbeit veröffentlicht: http://www.uni-bielefeld.de/erziehungswissenschaft//app/Arbeitsmarkt_Kompakt_2006.pdf (darin: Seite 11).

Die Zahl der arbeitslosen Pädagogen steigt demnach aktuell an. Verträge sind oftmals befristet bzw.  projektgebunden, oft wird sogar erwartet, dass eine unentgeltliche Vorarbeit von (sozial-) pädagogischen Bewerbern geleistet wird.  Das sind keine guten Voraussetzungen für professionelle, pädagogische Arbeit.

Linktipp für arbeitssuchende Diplom-Pädagoginnen und Diplom-Pädagogen:

http://www.arbeitslosennetz.de/forum/showthread.php?t=8289

Silvio Ströver, Diplom-Pädagoge

Machen Killerspiele gewalttätig?

Auf die Frage, ob sogenannte „Killerspiele“ tatsächlich gewalttätig machen, kann man keine klare Antwort geben.

Wie in einem medienpädagogischen Weblog zu erfahren, hat Anja Habermehl Folgendes festgestellt:

„Allgemein muss man sagen, dass es keine einheitlichen Ergebnisse zum Zusammenhang von Mediengewalt und realer Gewalt gibt. Es ist nicht klar, ob Mediengewalt aggressives Verhalten generell auslöst, oder Personen mit aggressiven Tendenzen sich zu gewalthaltigen Medien herangezogen fühlen. Vielleicht besteht auch kein direkter auslösender Zusammenhang.“

Quelle:

http://ww1.medienrauschen.de/archiv/medien-und-gewalt/

Weitere medienpädagogischen Beiträge u. a. zum Stichwort „Killerspiele“ finden Sie auch hier: http://ww1.medienrauschen.de/?s=Killerspiele

Des Weiteren betreibt  Dipl.-Päd. Manfred Schreiber einen „Medienkiosk“, der sich aus medienpädagogischer Sicht u. a. auch mit dem Zusammenhang von Gewalt und Medien beschäftigt:

http://www.koblenz-media.de/index.php/suche.html?keywords=Gewalt

oder auch:

http://writers-desk.de/wordpress/medienpadagogik/

bzw.

http://www.koblenz-media.de/index.php/medienkiosk.2.htmll

Silvio Ströver, Dipl.-Pädagoge

Klassenfotos im Internet erlaubt?

Darf man eigentlich als Lehrer o. ä. die Klassenfotos im Internet veröffentlichen? Oder gilt die Privatsphäre eines einzelnen Schülers?

Was ist erlaubt, was ist gefährlich?

Beachten Sie bitte dazu den folgenden Hinweis:

Ein wichtiger Tipp mit einem Klick… auf die richtige Seite:

http://www.lehrer-online.de/personenfotos-allgemein.php

Silvio Ströver, Diplom-Pädagoge

Vox Paedagogica Online

Hörbücher sind beliebt, wer sich mal zur Abwechslung erziehungswissenschaftliche Inhalte auf dem Weg zur Uni oder zur Arbeit auf seinem Mp3-Player anhören möchte, kann sich auf der hier folgenden Webseite interessante Ton-Dokumente downloaden:

“Vox Paedagogica Online ist ein im Aufbau befindliches digitales Tonarchiv zur deutschsprachigen Bildungsgeschichte des 20. Jahrhunderts. Im Zentrum der derzeitigen Begründungsphase stehen mündliche Selbstdarstellungen emeritierter Erziehungswissenschaftlerinnen und Erziehungswissenschaftler, die seit 2003 aufgenommen werden.
In der Folge ist vorgesehen, weitere Tondokumente über dieses Web-Angebot zur Verfügung zu stellen.”

http://www.bbf.dipf.de/vpo/
Sicher auch für all diejenigen interessant, die ein grundsätzliches Interesse an Erziehung und Bildung haben.

Silvio Ströver, Diplom-Pädagoge

Litts Bildungsverständnis

(Copyright & Urheber-Rechte: Silvio Ströver)

Eine Ausarbeitung zum Bildungsverständnis von Theodor Litt:

Theodor Litt hat sich mehrmals zum Verhältnis von allgemeiner und beruflicher Bildung geäußert. Mehrere Schriften (“Naturwissenschaft und Menschenbildung, “Technisches Denken und menschliche Bildung, “Das Bildungsideal der deutschen Klassik und die moderne Arbeitswelt, “Wissenschaft und Menschenbildung im Lichte des West-Ost-Gegensatzes“) bezeugen sein Wirken in dieser Richtung. Das Besondere an Litts Leistung war stets, dass er es verstand, vom Allgemeinen auf das Besondere zu schließen. Denn Litt argumentierte oft prinzipiell, sodass seine Texte einen sehr allgemeinen Aussagewert besaßen. Doch konnte Litt zu gegebenen Anlässen immer konkrete Aussagen ableiten, so auch in diesem Kontext nach dem zweiten Weltkrieg, als ganz Deutschland um das Überleben kämpfte und es darauf ankam, so schnell wie möglich wieder eine funktionierende Wirtschaft herzustellen.

Neben einer Rede, die Litt 1947 vor Berufsschullehrern gehalten hatte, trug er 1958 wissenschaftlichen Mitarbeitern einen weiteren Vortrag vor. Im gleichen Jahr fasste Litt beide Reden zu einem Buch zusammen, das den Titel „Berufsbildung, Fachbildung, Menschenbildung“ trug. Während die erste Rede die existentielle Notsituation Deutschlands betont und den klassischen Bildungsbegriff überwindet, so liest man in der zweiten Rede von Litts Appell, trotz des technischen Fortschritts nicht die Humanität zu vergessen. Trotz der unterschiedlichen Gewichtungen widersprechen sich die Texte nicht, sondern können ergänzend gelesen werden.

Litt setzt bei dem überholten Bildungsbegriff an, den er versucht, geschichtlich zu verstehen und mit der Gegenwart zu vergleichen. Dabei stellt Litt heraus, dass die klassische, ästhetisch-literarische Bildung nicht mehr mit der gegenwärtigen Lage übereinstimmt. Durch diese Feststellung distanzierte sich Litt zu den bislang geführten, traditionellen pädagogischen Diskursen, die seit dem 19. Jahrhundert fruchtlose Bildungsdebatten thematisierten. Litt versuchte, durch einen geschichtlichen Rückgriff, die ursprüngliche Intention und Funktion von Bildung herauszustellen. Zunächst stellte er dabei fest, dass zwei konträre Strömungen sich gegenüberstanden: der Humanismus zum Rationalismus. Nach Litt hat sich der Humanismus gegen die fortschreitende Technisierung und Arbeitsteilung gewandt, indem er das Menschliche gegen das Funktionieren des Menschen stellte. Humboldt sah die Lösung darin, dem Menschen eine humanistische Bildung zu ermöglichen, die es ihm erlaubten sollte, aufgrund der Menschenbildung sich gegen den technischen Fortschritt und seinen unmenschlichen Forderungen zu wehren. Nur durch die künstliche Isolierung, nichts mit weltlichen Angelegenheiten und Bedürfnissen tun zu haben, wurde solch eine Menschenbildung möglich. Somit wurde die Kunst, die Sprachen und die Mathematik aufgewertet und berufliche Bildung aus dem klassischen Bildungsverständnis ausgeschlossen. Die Gefahr sah man darin, dass berufliche Bildung immer bedeutet hätte, den industriellen und wirtschaftlichen, also unmenschlichen Bedürfnissen nachzugeben. Doch Litt stellte seiner Zeit heraus, dass dieses Bildungsverständnis auch sehr einseitig und von Nachteil war, da die elementaren bzw. existentiellen Bedürfnisse des Menschen völlig ignoriert und sogar abgelehnt wurden. Dies hatte zur Folge, Menschen unvorbereitet in die reale Welt zu schicken, deren vermittelten, klassischen Ideale der harten Realität nicht standhalten konnten. Nach Litt wäre es gefährlich, zu übersehen, dass auch die anstrengende Arbeit bzw. die harte Realität ein Gegenstand der Bildung sein müsste, da diese immer einen konkreten Lebensbezug beinhaltete. Litt bemerkte, dass der ursprüngliche Rationalismus noch nicht menschenfeindlich eingestellt war, da erst einmal nur die Natur unter dessen Einfluss stand. Später jedoch übertrug sich das technisierte Denken und Handeln auf den Menschen selbst und bedrohte ihn. Doch stellte Litt fest, dass die Naturwissenschaft nicht in der Lage war, die menschliche Entscheidungsfähigkeit ersetzen zu können, auch wenn Analyse-Zweck-Zusammenhänge Entscheidungshilfen sein konnten. Denn das, was den Menschen auszeichnete, war seine Entscheidungsvollmacht. Das Tragische an der naturwissenschaftlichen Haltung, nur nach Mittel und Nutzen zu fragen, war, den Menschen nur noch unter diesem Aspekt wahrzunehmen und ihn somit zu entmenschlichen. Denn auf diese Art wurde nur noch gesehen, wie der Mensch funktionierte und welchen Zweck er erfüllen konnte.

Litts Fazit lautete demnach, dass die menschliche Ratio, seine hochgelobte Vernunft nichts weiter sein konnte, als ein Produkt des Rationalismus´, der alles Irrationale am Menschen wie z. B. Gefühle, Träume und Fantasien leugnete und abstritt. Daher sah Litt in seiner Zeit zunächst das Dilemma, keine angemessene Alternative zu sehen, da sowohl der unrealistische Humanismus als auch der menschenverachtende Rationalismus für sich alleine jeweils nicht wirkliche Bildung ermöglichen konnte. Denn das Problem war, dass beide Richtungen totale Extreme darstellten. Doch Litt sieht beide entgegengesetzte Strömungen im Wechselspiel miteinander vereint. Dies entspräche der menschlichen Natur, die ebenfalls widersprüchlich sei. Daher könnte man nicht nur eine Tendenz, wie z. B. nur die bloße Vernunft einseitig hervorheben, da das Unvernünftige, was den Menschen auch ausmacht, fehlen würde. Somit schloss Litt von der Anthropologie auf den Bildungsbegriff. Demnach wäre es falsch, nur konservative, traditionelle Bildungsinhalte, die nichts mehr mit der gegenwärtigen Realität zu tun hätten, hochzuhalten (klassische Bildung) noch die Gegenwart als einzigen Maßstab zu nehmen, nach dem eine dem wirtschaftlichem Denken untergeordnete Bildung das einzig Wahre sei. Litt geht aber nicht etwa soweit, beide Richtungen auszuschlagen, sondern erfasst beide gleichzeitig. Litt sieht nämlich in der Menschenbildung die Chance, die Technokratie in ihre Grenzen einzuweisen. Ihm ist es wichtig, dass sich der Mensch bewusst macht, dass er es ist, der als ganze Person entscheidet und entgegenwirken kann. Folglich ist der Mensch nicht länger ein von der Technik Abhängiger, sondern kann durch die Selbsterkenntnis seine Gewalt über die Technik wieder neu entdecken und sich gegen den Besitzansprüchen der Naturwissenschaft und Technik wehren. Daher fordert Litt, ständig wach zu bleiben und nicht zu vergessen, wer die eigentlichen Zügel in der Hand hält, nämlich der Mensch. Doch ist es dazu notwendig, dass der herangebildete Mensch sich seiner Handlungsfähigkeit und Entscheidungskompetenz durch die klassisch geprägte Menschenbildung bewusst wird.

Zusammengefasst hielt Litt fest, dass…

-… die künstliche Trennung zwischen der klassischen und modernen Welt nicht richtig sei, da so bestehende Postulate der einen oder anderen Seite nur noch bestärkt würden,

-… eine einseitige Sichtweise, entweder nur die Menschenbildung oder nur die Berufsbildung für wertvoll zu erachten, zur Unbildung führe,

-… der Mensch sich immer wieder an diese spannungsreiche Wechselbeziehung erinnern müsste

-… und dass nur der gebildet sei, der auch seine berufliche Tätigkeit als gesellschaftlich notwendig erkennen könnte.

Auf diese Weise kann gesagt werden, dass Litt in seinem Bildungsverständnis beide Aspekte, das berufsbildende als auch das allgemeinbildende Moment, zusammengeführt hatte, sodass Beides, wenn auch spannungsreich, eine Einheit bildete, die der gebildete Mensch zur Kenntnis nehmen und sich immer wieder dessen bewusst werden sollte.

Litt sieht in der Technisierung, die rasant zunimmt, die Ursache für die zunehmende Unfähigkeit der Pädagogik, professionell auf diese Situation zu reagieren. Es ist die Frage, wie z. B. die Schule ihre Schüler in der Gegenwart gut auf die sich verändernde Zukunft vorbereiten soll. Dabei stellt Litt fest, dass im Ausland das Problem der Fachbildung im Verhältnis zur Menschenbildung weniger dramatisch gewichtet wird als in Deutschland. Während die Fachbildung woanders als Zusatz bzw. als Ergänzung zur Menschenbildung gesehen wird, sehen die Deutschen in diesen Bildungsbegriffen ein Gegensatzpaar. Als extremes Beispiel führt Litt den Kommunismus an, der etwa nicht bloß keinen Unterschied zwischen Fach- und Menschenbildung macht, sondern im Gegenteil nur im Spezialisten den vollkommenen Menschen sieht. Nur, wenn die Fachbildung unter kapitalistischen Gesichtspunkten geschehe, hieße das nach dem Kommunismus, den Menschen auszubeuten.

Im Rückgriff auf die Geschichte stellt Litt heraus, dass die Polarisation von „Fachbildung“ und „Menschenbildung“ von Wilhelm von Humboldt stammt. Im humanistischen Verständnis ist derjenige gebildet, der individuell, universal und total gebildet ist. Die humanistische Auffassung lautet, den Menschen aus seiner Zerrissenheit und Sinnlosigkeit herauszuholen, indem die Ursache dafür, die in der Arbeitsteilung zu finden ist (Fachbildung!), bekämpft wird. D. h., gerade in der fachlich spezialisierten Bildung sahen die humanistischen Philosophen und Pädagogen die Gefahr der menschlichen Entfremdung. Insofern kann geschlussfolgert werden, dass die Fachbildung sich gegen die Menschenbildung bzw. gegen das Menschliche richtet und sich deshalb als einen der Menschenbildung entgegengesetzten Begriff auffassen lässt.

Litt betont, dass dieser Dualismus zwischen der Arbeits- und Bildungswelt zur Folge hatte, dass unter klassischer Bildung das Ästhetisch-Literarische, in der Arbeitswelt das Praktisch-Anwendbare (das Nützliche) verstanden wurde. Eine Ursache liegt nach Litt darin, dass das (Bildungs-) Bürgertum keine Möglichkeit besaß, sich an der Politik zu beteiligen. Aufgrund dessen bemühte man sich ersatzweise um ein eigenes Feld, das von keinem Vorgesetzten angetastet werden konnte, und zwar das Feld der Bildung, die sich aber ins Ideal bzw. ins Ästhetisch-Literarische erstreckte. Auch wenn sich das aufstrebende Bürgertum auf diese Weise auch gesellschaftlich allmählich etablierte und sich weiterentwickeln konnte, entfernte es sich ständig von der arbeitsteiligen Wirklichkeit, die eine praktische Ausbildung erforderte und die musisch-kreative Bildung ablehnte. Dass es in Deutschland solch schwere Diskussionen um Bildungsfragen gegeben hat und dass der Abstand zwischen der pädagogischen Doktrin und der gesellschaftlich-ökonomischen Realität immer größer wurde, begründet Litt damit, dass die Träger der deutschen Klassik zu dieser Einseitigkeit mit dazu beigetragen hatten.

Litt beobachtet also, dass sich eine künstliche und falsche Trennung zwischen Theorie und Praxis bzw. zwischen der Empirie (Naturwissenschaft, Mathematik, …) und der Geisteswissenschaften (Philosophie, Pädagogik, …) geschichtlich entwickelt hat, wobei nicht auszudenken ist, dass diese Entwicklung als ein „Fehltritt“ zu bewerten sei. Die Geschichte zeigt jedoch, dass zunächst Fachbildung und Menschenbildung als Einheit gesehen wurde (17. Jhr.: „Rationalisierung als Vollendung der Humanität“). Erst im späteren Verlauf übertrug man das technische Mittel-Nutzen-Denken in das menschliche Zweck-Denken, sodass in menschlichen Entscheidungsfragen nun die Betonung auf Fragen gelegt wurde, die sich eher nach der Effizienz bzw. nach dem Nutzen (dem Mittel, der Sache) richteten. Die Folge dieses Denkens war, dass zum Schluss der Gebildete praktisch „nichts mehr konnte“, da er so gebildet wurde, alles Praktische abzulehnen und geringzuschätzen. Die klassische Bildung war demnach an ihre Grenzen gestoßen, da doch die ursprünglich humanistische Idee, mit der ratio (Vernunft als Teil des „Sachverstands“) auch den Menschen zu bilden, durch die Aufwertung der Mathematik schnell aufgegeben wurde, um sich gegen die Technisierung abzugrenzen. So entwickelten sich beide Seiten immer weiter auseinander, bis der Zustand erreicht wurde, dass die Vertreter der Naturwissenschaften genauso wenig von den Geisteswissenschaften verstanden, wie es auch umgekehrt der Fall war. Litt sieht Deutschland nun in dieser Situation. Die genannte Forderung der Wirtschaft, nicht nur fachlich gebildete („Fachidioten“), sondern auch „persönlich“ gebildete Menschen zu erziehen zeigt deutlich, dass Bildung wieder einen Zusammenhang zwischen Fach- und Menschenbildung herstellen muss. Konkreter gesagt ist Menschenbildung ohne Fachbildung bzw. auch in umgekehrter Weise nicht möglich. Litt begründet das damit, dass der Mensch sich in der Auseinandersetzung mit der Sache persönlich verändert und deswegen das Naturwissenschaftlich-Empirische nicht bloß wie ein totes den Menschen nicht beeinflussendes Werkzeug zu betrachten sei, sondern dass das Praktisch-Sachliche eng mit der Menschenbildung zusammenhängt. Die Empirie ist jedoch nur die Aufklärung über vorhandene Möglichkeiten und Mittel, doch die Sozialwissenschaften helfen, menschliche, ethische Entscheidungshilfen zu fällen. Daher kann die Fachbildung nicht von der Menschenbildung getrennt werden. Es ist wichtig, dass die konkrete Naturwissenschaft und die Empirie wieder so betrieben wird, dass auch das allgemein Abstrakte berücksichtigt wird bzw., dass die Geisteswissenschaften wieder lernen, das Konkret-Praktische, aus dem Leben-stammende wieder zu berücksichtigen. Erst wenn diese Trennung überwunden wird, so kann auch die gegenseitige Abwertung ausbleiben, damit wieder ganzheitliche Bildung, die sowohl das Fachliche als auch das Menschliche gleichermaßen miteinbezieht, Raum gewinnt. Um zu vermeiden, dass man wieder einseitig denkt und handelt, bedarf es nach Litt der „Wachsamkeit“. Durch diese Wachsamkeit reflektiert der Mensch darüber, ob seine (zweckdienlichen, subjektiven) Entscheidungen noch zweckbestimmt (subjektiv) sind oder ob seine Entscheidungen nur sachlicher Natur sind. D. h., dass der Mensch immer darauf achten muss, ob er sich der Sache zum „Sklaven“ macht, indem er sich von den Dingen, die eine Eigenlogik und -Macht besitzen, „verführen“ lässt.

Nur stellt sich mir die Frage:

Wer kontrolliert den Kontrolleur?

Wer kann garantieren, dass der Mensch wachsam bleibt?

Natürlich wäre es aus unserer Sicht nicht wünschenswert, wenn jemand eine Person in der Hinsicht kontrollieren würde, da dies selbst schon wieder unethisch wäre.

Zudem würde sich die weitere Frage stellen, wer den kontrollierenden Kontrolleur kontrolliert.

Es zeigt sich, dass diese Spannung bzw. diese Ungewissheit grundsätzlich menschlich ist und demnach auszuhalten ist (Grenzen der Pädagogik).

Silvio Ströver, Diplom-Pädagoge

Literatur:

LITT, Theodor: Berufsbildung, Fachbildung, Menschenbildung. In: REBLE, Albert: Theodor Litt:Pädagogische Schriften. Bad Heilbrunn: Verlag Julius Klinkhardt, 1995. S. 89- 148.

MENZE, Clemenz:Berufsbildung und Allgemeinbildung. In: NICOLIN, Friedhelm; WEHLE, Gerhard (Hrsg.): Theodor Litt: Pädagogische Analysen zu seinem Werk. Bad Heilbrunn / Obb.: Verlag Julius Klinkhardt, 1982. S. 66-84.

LITT, Theodor: 4. Fachbildung und Menschenbildung (1958). In: REBLE, Albert: Theodor Litt Pädagogische Schriften. Bad Heilbrunn: Verlag Julius Klinkhardt, 1995. S. 118-148.

Erziehung und Bildung in der DDR

In letzter Zeit kam mir der Gedanke, dass es vielleicht auch heute noch so etwas wie eine pädagogische Ostalgie gibt, die unser pädagogisches Denken und Handeln (un-) bewusst leitet. Wenn man sich in den Medien umschaut, kann dieser Eindruck einer Ostalgie sicherlich bestätigt werden. Unter Ostalgie verstehe ich in erster Linie eine Romantisierung der ostdeutschen Vergangenheit. Wenn ich als Pädagoge über dieses Phänomen spreche, dann versuche ich, diese Ostalgie, wie ich sie nenne, unter pädagogischen Aspekten zu sehen. Gibt es so etwas, wie eine westdeutsche Siegermentalität, auch in pädagogischen Kreisen? Sicher mag das durchaus vorkommen, aber das wäre genauso unangebracht, wie eine Glorifizierung des kommunistischen Regiments, also eine Verklärung der DDR.

In einer Diskussion, an der ich teilnahm, wurde sinngemäß angedeutet, das heutige Bildungs-Deutschland würde gewisse Strukturen einführen, wie es in den Zeiten der sozialistischen Erziehung gängig und scheinbar auch ganz in Ordnung war, und zwar eine stärkere Verknüpfung von Unterricht und Betriebspraxis.

In der DDR war es bis zum Ende im November 1989 eine Tatsache, dass das Bildungswesen der SED unterstand (vgl. BASKE in ROTH: 1994, S. 566). Der Ministerrat war in diesem Kontext (Bildungwesen) dieser sozialistischen Einheitspartei untergeordnet und verfügte über drei Ministerien (M. für Volksbildung, M. für Hoch- und Fachschulwesen und das Staatssekretariat für Berufsbildung). SED-Beschlüsse waren auch im Bildungswesen bestimmend, die mithilfe parteilicher Instanzen und den Abteilungen für Volks- und Berufsbildung in Form einer Schulinspektion durchgesetzt und umgesetzt wurden. In (Hoch-) Schulen gab es keine Selbstverwaltung, sondern eine aus mindestens drei SED-Personen bestehende Leitung, die vorrangig bestrebt waren, SED-Politik vor Ort umzusetzen. Vertreter von Jugendorgansiationen hatten ein begrenztes Mitspracherecht, wenn es um Beratung ging.

Im Prinzip wird klar, dass die zentralistische SED-Struktur auch die Bildung komplett prägte: Ziel der DDR-Erziehung war die Bildung einer kommunistischen und sozialistischen Persönlichkeit, was besonders durch ideologische Lehre versucht wurde, die die marxistisch-leninistische Führung der Arbeiterklasse betonte.

Aufgrund staatlicher Programme erfolgte die pädagogische Arbeit schon im Krippen- und Kidnergartenwesen. DDR-Mütter wurden so auch entlastet und standen so der ostdeutschen Wirtschaft als Arbeitskraft zur Verfügung. Die vorschulische Betreuung war selbstverständlich kostenlos, nur das Essen musste bezahlt werden (vgl. BASKE in ROTH: 1994, S. 567 – 568).

Die zehnklassige “allgemeinbildende polytechnische Oberschule”, die “erweiterte a. p. O.”, die Sonderschulen und auch die Spezialschulen für Begabte standen für die sozialistische Schulbildung. Neben der sozialistischen Allgemeinbildung war die Anbindung an den Beruf ein zentrales Element der DDR-Bildung, sodass am Ende ein bewusst sozialistisch denkender und handelnder Mensch herauskommen sollte, der es versteht, sich an der kommunistischen Gesellschaft zu engagieren und diese mitzugestalten.

Die Berufsbildung (Volkshochschule, Betriebsakademie) sah vor, dass POS-Absolventen in zwei Jahren, ein kleiner Teil der Achtklässler in drei Jahren zum Facharbeiter ausgebildet wurden. Wer gar das Abitur in drei Jahren schaffte, erhielt gleich eine Doppelqualifikation, und zwar den Facharbeiterbrief und das Zeugnis mit der Hochschulreife. Neben einer verbindlichen, individuellen fachlichen Ausrichtung gab es auch gemeinsame Fächer, wie z. B. Staatsbürgerkunde, Sport etc.. Auch ungelernte und angelernte Kräfte wurden in der Berufsbildung zum Facharbeiter ausgebildet, sie holten also ihren Abschluss nach, “Werktätige” konnten ihre Schulbildung auffrischen und Facharbeiter einen Meister machen (vgl. BASKE in ROTH: 1994, S. 568 – 570).
Das Fachschulwesen vertiefte in 254 Fachrichtungen die vorhandene Berufsausbildung. Wer sich im technischen oder ökonomischen Bereich beruflich (höher) ausbilden lassen wollte, musste im Vergleich zu z. B. pädagogischen Berufsfeldern, in denen die POS ausreichte, auch über eine abgeschlossene Berufsausbildung verfügen. 25-köpfige Seminargruppen lernten in 32 bis 36 Wochen-Stunden im stark verschulten Direktstudium, dass trotz der Verschulung das freie und eigene wissenschaftliche Denken und Forschen ermöglichen sollte.

Das Hochschulwesen sah zunächst vor, die Studentenzahl unter Arbeiter- und Bauernkindern zu erhöhen, in einer zweiten Reform (1951) wurde das marxistisch-leninistische Grundlagenstudium und das zehn-Monate-Studienjahr eingeführt. 1967 erfolgte schließlich die “‘Meisterung der wissenschaftlich-technischen Revolution’” (vgl. BASKE in ROTH: 1994, S. 570).
Ein besonderes Merkmal war die enge Verzahnung von Hochschule, Industrie, Landwirtschaft und Gesundheitswesen. Besonders Begabte wurden entsprechend individuell gefördert. Noch 1983 war man bemüht, die Hochschulbildung effizienter zu gestalten.

Man erkennt also unschwer, dass das gesamte Bildungswesen der sozialistischen und einheitlichen Erziehung unterstellt war. Wesentliche Inhalte und Formen gab die SED vor. Bildung war also ein Ergebnis ostdeutscher Politik und kommunistischer Ideologie.

Wenn man sich vergegenwärtigt, dass das DDR-System ganz und gar totalitär war, kann man sich vorstellen, dass Bildung unter diesen Voraussetzungen eine andere Qualität und Richtung aufweisen musste, als Bildung, die in einem Staat gestaltet wird, der eben nicht totalitär ausgerichtet und organisiert ist.
Bernhard Marquardt, gebürtig 1950 in Ostdeutschland, studierte Soziologie und Wirtschaftswissenschaften in der DDR. Als er in einer US-Botschaft 1982 um politisches Asyl bat, war seine berufliche Laufbahn in der DDR beendet, er kam 1983 nach Westdeutschland und schrieb u. a.: “DDR – Totalitär oder autorität?”

Als Kenner des DDR-Systems kommt er zur Auffassung, dass die DDR ein totalitäres Gebilde bzw. eine Diktatur sei, da mehr als “nur” autoritäre Züge vorlägen.
Er fasst sieben Punkte zusammen, die er in seinem Buch weiter ausgeführt hat:
1. Unter der Führung der SED wird die politische Willensbildung in monopolistischer und “pseudodemokratischer” (vgl. MARKQUARDT: 1986, S. 64) Art wesentlich bestimmt und geformt.
2. Die offizielle Ideologie wird mit einem Absolutheitsanspruch formuliert (der “neue Mensch”).
3. Es gibt eine Massenbewegung, die zentralistisch und hierarchisch organisiert ist.
4. Mithilfe von Leitung und Planung werden ganze Lebensbereiche bestimmt (”Verfügungsanspruch”).
5. Herrschaft wird über staatliche Sicherheitsorgane erhalten.
6. Das staatliche Nachrichtenmonopol diktiert.
7. Soziale Beziehungen und der ganze Bereich der Ökonomie werden stark kontrolliert (”Beherrschung des Alltags”)
(vgl. MARKQUARDT: 1986, S. 64 – 65).

Was auch immer die russische Besatzungsmacht mit Ostdeutschland vorhatte, als sie am 07.10.1949 die DDR konstituierte (Verkündung des Grundgesetztes der BRD: 23.05.1948), dieses totalitäre System sollte nach seinem 40. Geburtstag zusammenbrechen. Mit der Maueröffnung am 09.11.1989 kam es praktisch zur Auflösung der DDR. Am 23.08.1990 beschloss die DDR-Volkskammer mit einer Zweidrittel-Mehrheit den Beitritt zur BRD zum 03.10.1990. Mit dem Ende der SED endete dann natürlich auch die gesamte DDR-Erziehung, auch wenn gewisse Strukturen, wie z. B. ein besser entwickeltes Krippenwesen, noch heute vorhanden sind (vgl. DEUTSCHER BUNDESTAG: 1991).
Silvio Ströver, Diplom-Pädagoge

Hier benutzte Literatur:

BASKE, Siegfried: Pädagogik und Bildungswesen in der ehemaligen DDR. In: ROTH, Leo (Hrsg.): Pädagogik. Studienausgabe. München: Ehrenwirth Verlag, 1994, S. 563 – 571.

Deutscher Bundestag, Referat Öffentlichkeitsarbeit (Hrsg.): Fragen an die deutsche Geschichte. Historische Ausstellung im Reichstagsgebäude in Berlin, Katalog, Bonn: 1991, 17. Auflage. S. 367 – 371; S. 432 – 454.

MARQUARDT, Bernhard: DDR – Totalitär oder autoritär? (Tatsache und Meinungen, Bd. 55) Schweizerisches Ost-Institut, Bern: Verlag SOI, 1986.