Artikel mit ‘Geschichte’ getagged
Dienstag, 28. Juni 2011
Wer auf der Suche nach einem guten Buch ist, wird sicher schnell in der offenen Bibliothek (open library) fündig. Denn immerhin gibt es dort bereits mehr als eine Million Titel. Dort können Sie Bücher bequem online lesen:
http://openlibrary.org/
Silvio Ströver, Diplom-Pädagoge
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Samstag, 14. Mai 2011
Immer wieder gibt es Kontroversen, wie Kinder zu erziehen seien. Ab und zu erscheinen Bestseller, die als Ratgeber in Sachen Erziehung oder Schulpädagogik vorgeben, die “wahre” Erziehungsmethode gefunden zu haben. Hier und da tauchen manche “Reformer” auf, die glauben, die “neue” Erziehung beschreiben zu können. Immer wieder gibt es jemanden, der plötzlich Rousseau bejubelt oder die Theorien von Ellen Key, Ludwig Gurlitts oder Alexander Sutherland Neills (vgl. MÄRZ: 1998, S. 17). Dabei wird oft das “pädagogische Rad” quasi neu erfunden. Häufig fehlt das geschichtliche Bewusstsein, was dazu führt, dass manche Utopien und Ideale aus alter Zeit wieder neu ausgedacht und als neu “verkauft” werden. Und somit wiederholen sich manche Fehler der Vergangenheit: “derjenige, der die Geschichte grundsätzlich ignoriert, (…), ist dazu verdammt, sie wiederholen zu müssen (zitiert von MÄRZ: 1998, S. 17). Interessanterweise gibt es offenbar auch in der Pädagogik eine Tendenz, sich von der Tradition und von geschichtlichen Fakten zu entfernen. Es ist scheinbar nicht vorstellbar, dass auch zu früheren Zeiten Menschen kritisch gedacht, gehandelt und aus Fehlern gelernt haben. Die Gefahr liegt auf der Hand: In der Ignoranz des bereits Geschehenen wird oft das scheinbar neu ausgedachte Gute nicht als das erkannt, was bereits in der Vergangenheit sich als fehlerhaft und illusionär herausgestellt hat. Eine irrige Annahme lautet oft, man lebe im Zeitalter des Fortschritts, jedoch ist lediglich ein technischer Fortschritt erkennbar (mit allen Risikofaktoren, wie z. B. dem sogenannten Restrisiko bei der angeblich sauberen und sicheren “Kernenergie“), nicht jedoch ein Fortschritt im Bereich der Humanität etwa oder im Bereich des menschlichen Nachdenkens. So gibt es auch in der Pädagogik keinen geradlinigen Weg von unten nach oben, sondern lediglich einige Zickzack-Kurven in beide Richtungen. Spannend ist zu beoachten, dass gerade die scheinbar aufgeklärten Pädagogen (und Theologen und Philosophen) marktschreierisch ihre gegenwartsbezogene Pädagogik anpriesen und pädagogische Geschichte links liegen ließen. Manch ein pädagogisch formulierter Gedanke war sehr rückständig, überhaupt nicht modern und wird auch heute noch als aktuelle Wunderwaffe gegen zappelige Schüler oder unerzogene Kinder etc. wie neu gefeiert (vgl. MÄRZ: 1998, S. 7-22). Daneben gab und gibt es immer wieder Leute, die sich ernsthaft um historisches Faktenwissen bemüht haben, um wirklich neuartige pädagogische Ansätze und Ideen zu formulieren. Es ist sicher folglich nicht verkehrt, die pädagogischen Wurzeln zu kennen und darauf aufzubauen.
Silvio Ströver, Diplom-Pädagoge
Quelle:
Fritz März: Personengeschichte der Pädagogik. Ideen – Initiativen – Illusionen. Bad Heilbrunn / Obb.: Verlag Julius Klinkhardt, 1998, S. 7-22.
Tags:04 Mittelalter (450 - 1500 n. Chr.), Anstalten, Antike, Armenfürsorge, Aufklärer, Aufklärung, Bildung, Denken, Disiplin, Erzieher, Erzieherin, Erziehung, Erziehungswissenschaft, Fehlannahme, Fehler, fhlendes Geschichtsbewustsein, Forschung, Fortschritt?, Fritz März, gegen das Vergessen, Geschichte, geschichtsbewusst, historisch, Hostorismus, Humanität, Illusionen, Irrglaube, Kindergarten, Krippe, Pädagogen, Pädagogik, Pädagogin, pädagogisch, Philosophen, Schule, Strövers Paedblog, technischer Fortschritt, Theologen, vergessen, wiederholt, Wiederholung
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Dienstag, 10. Mai 2011
Thomas Neumann hat die folgende 251-seitenstarke Pdf-Datei kostenlos unter http://www.thueringen.de/imperia/md/content/text/lzt/44.pdf veröffentlicht.
Inhalt ist die Pädagogik der frühen Aufklärung, die Mädchenerziehung im 17. Jahrhundert, die Pädagogik Campes (Robinson, der Jüngere), die Schnepfenthaler Erziehung (Andre, Salzmann), erläutert werden die Aussagen von Johann Gottfried Herder zur Begründung einer wissenschaftlichen Pädagogik, erwähnt wird die Pädagogik mithilfe von Realien (Bertuchs Bilderbuch), widergegeben werden Friedrich Schillers Gedanken “Über Erziehung”, berichtet wird von der Phase der romantischen Pädagogik (Hülsen, Fröbel), von den Anfängen der Sozialpädagogik (Falk), beschrieben wird die Volksbildung und Volkserziehung im 19. Jahrhundert, erwähnt werden die Bildungsreisen nach Italien (Goethe, Hohnbaum, Barth), Goethes Faust wird als Möglichkeit einer Formulierung des pädagogischen Leitgedankens des 19. Jahrhunderts genannt, die Universitätsbildung (Fries) wird erläutert und schließlich werden – bezogen auf Schopenhauer und Nietzsche – die damaligen Bildungsanstalten thematisiert.
Silvio Ströver, Diplom-Pädagoge
Tags:18. Jahrhundert, 19. Jahrhundert, 2011, Andre, Anfänge, Aufklärung, Barth, Bertuch, Bilderbuch, Bildung, Bildungseinrichtungen, Campe, download, Erziehung, Erziehungswissenschaft, Forschung, free, Fries, Fröbel, Geschichte, Goethe, Herder, Hohnbaum, Hülsen, Ideal, Ideen, Klassiker, kostenlos, Lehre, Nietzsche, Pädagogen, Pädagogik, Pädagogiken, Pdf, Philosophen, Realien, Romantik, Salzmann, Schiller, Schnepfenthal, Schopenhauer, Sozialpädagogik, Theologen, Thüringen, Universalgelehrter, Universitätsbildung
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Montag, 09. Mai 2011
Tags:2011, Audio, begreifen, Erziehung, fremd, Geschichte, Glaube, hören, Islam, kennen, Koran, Kulturpädagogik, Lernen, Moslem, Multikultur, Muslim, Muslima, muslimisch, Pädagogik, Pluralität, Podcast, Religionspädagogik, religiös, SWR, unbekannt, verstehen, Vorurteile, Wissen
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Mittwoch, 20. April 2011
Hat die Wissenschaft ihre Bedeutung in der generellen Vorbereitung auf die Praxis? Oft werfen die Praktiker den Theoretikern vor, nichts von der Wirklichkeit zu verstehen. Umgekehrt gehen viele Theoretiker davon aus, dass Praktiker sich nur auf ihre subjektiven Eindrücke und individuellen Erfahrungen verlassen wollen und glauben, damit ihre (wenigen) Erfahrungen pauschal als allgemeingültig betrachten zu können. Oft ist es auch so, dass es innerhalb einer Disziplin wie der Pädagogik mal eine Tendenz gibt, den Schwerpunkt auf Theoriebildung zu legen, um danach Platz für einen stärkeren Praxisbezug zu machen. Seit den 1970ern gibt es einen stärkeren Bezug zur Lebenswirklichkeit (“Alltagswende” / “realistische Wende”). Doch schließen sich Theorie und Praxis eigentlich nicht aus, sondern können sich gegenseitig ergänzen. Schließlich versteht sich die Theorie nicht als Abbild der Realität, sondern eher als Konstrukt (vgl. GUDJONS, 1997, S. 50). Die Theorie ist auch kein Rezeptbuch für Praktiker. Das heißt jedoch nicht, dass in der Praxis Tätige auf jede Form von Theorie verzichten könnten. Herbarts Konzeption eines stufenartigen Unterrichts ist ein Paradebeispiel dafür, wie aus an sich klugen pädagogischen Ideen ein starres Schulsystem wurde. Eifrig wurde das Stufenmodell gänzlich auf die Gestaltung des Schulunterrichts rigoros angewandt. Schüler der entstehenden bürgerlichen Gesellschaft erfuhren bis ins 20. Jahrhundert hinein Schule als langweilig und spießig. Formalisierter, stets gleich ablaufender Unterricht wurde häufig als inhaltsleer und sinnlos empfunden. Man lernte auswendig, gehorchte und hielt aus. Doch an sich sah Herbarts Modell im Wesentlichen vor, dass Schüler über die Wissensaufnahme sittlich(er) werden. Denn eine andere Möglichkeit der schulischen Erziehung sah Herbart nicht, Schule könne lediglich über den eher – man könnte auch sagen:- kognitiven Weg erzieherisch auf Kinder einwirken. Daher entwarf er die Stufen der Klarheit (Wissensinhalte verstehbar vermitteln), der Assoziation (die einzelnen neu erlernten Inhalte werden im Zusammenhang begriffen), des Systems (das neu erworbene Wissen wird in bekannte Denkstrukturen eingefügt) und schließlich die Stufe der Methode (Erlerntes wird angewendet, Transfer auf andere Bereiche ist möglich) (vgl. GUDJONS, 1997, S. 100-101).
Gerade seit PISA reisst die Kritik nicht ab, die deutsche Bildungslandschaft neuzugestalten. Neue Ideen sind gefragt, Neues soll erprobt und getestet werden. Doch sicher muss bei aller berechtigten Kritik nicht alles über Bord geworfen werden. Hier stimme ich KNOOP und SCHWAB zu, die in ihrer Einführung (KNOOP; SCHWAB: 1999, S. 126) in die Geschichte der Pädagogik darauf verweisen, dass manche Fehler vermieden werden können, wenn man dazu einen Blick in die Historie wirft. Gerade der Kampf der Reformbewegung gegen die “Alte Schule”, gegen die Schule als eine Einrichtung, in der “Wissensmast” betrieben wird, macht schön deutlich, dass Herbart schon zu Lebzeiten oft falsch verstanden wurde, zumal Seiler, Asmus, Nohl, Caselmann in Aufsätzen, Reden und Büchern belegen konnten, dass Herbart einige Ziele der Reformbewegung vorweggenommen hatte und an (päd.) Aktualität nichts verloren hat (KNOOP; SCHWAB: 1999, S. 127-129) . Wer sich weiter über Johann Friedrich Herbart informieren möchte, kann dies auf der Seite der Arbeitsstelle der Internationalen Herbartianismusforschung tun: http://www.uni-due.de/herbartianismus-forschungsstelle/Start.shtml
Alternativ gibt es natürlich auch einen kurzen Überblick über den Pädagogen auf der Wikipedia-Seite:
http://de.wikipedia.org/wiki/Johann_Friedrich_Herbart
Silvio Ströver, Diplom-Pädagoge
Benutzte Literatur:
GUDJONS, Herbert: Pädagogisches Grundwissen. Bad Heilbrunn: Verlag Julius Klinkhardt, 5., durchgesehene und ergänzte Auflage.
KNOOP, Karl; SCHWAB, Martin: Einführung in die Geschichte der Pädagogik: Pädagogen-Porträts aus vier Jahrhunderten. Wiebelsheim: Quelle und Meyer, 4., durchgesehene und ergänzte Auflage, 1999 (UTB für Wissenschaft: Uni-Taschenbücher; 1100: Pädagogik)
Tags:1776, 1841, Didaktik, Duskussion, Empirie, Formalismus, Geschichte, Herbartianismus, Historie, JohannFriedrich Herbart, Langeweile, Pädagoge, Pädagogik, pädagogische Geschichte, Praxis, Protest, Reformbewegung, Streit, Theorie, Unterricht, Wissen, Wissenschaft
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Montag, 18. April 2011
Ich acht auch, das unter den eusserlichen sunden die wellt fur Gott von keyner so hoch beschweret ist und so grewliche strafe verdienet, alls eben von diser, die wyr an den kindern thun, das wyr sie nicht zihen.
Martin Luther, An die Ratherren aller Städte deutsches Lands, daß sie christliche Schulen aufrichten und erhalten sollen. (1524), S.33
Zitiert aus: http://homepage.univie.ac.at/henning.schluss/Publikationen/wissart/004lutherpa.htm
Einen interessanten Text über die Frage, ob Martin Luther als Mensch eher mittelalterlich gedacht und gehandelt hat oder bereits schon neuzeitlich, hat Henning Schluß aus pädagogischer Sicht hier veröffentlicht:
http://homepage.univie.ac.at/henning.schluss/Publikationen/wissart/004lutherpa.htm
bzw. in Form einer Pdf-Datei auch hier:
http://homepage.univie.ac.at/henning.schluss/Publikationen/wissart/004lutherpa.pdf
Silvio Ströver, Diplom-Pädagoge
Tags:04 Mittelalter (450 - 1500 n. Chr.), 2011, Bibel, biblisch, Erzieher, erzieherisch, Erziehung, Exegese, Geschichte, Gnade, Gott, Idee, Kind, Kinder, Martin Luther, Mensch, modern, Neuzeit, Pädagogik, pädagogisch, Theorie
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Donnerstag, 07. April 2011
Nicht jeder Deutsche, nicht jede Deutsche kennt sie, die Deutsche Nationalhymne:
Einigkeit und Recht und Freiheit
für das deutsche Vaterland!
Danach lasst uns alle streben,
brüderlich mit Herz und Hand!
Einigkeit und Recht und Freiheit
sind des Glückes Unterpfand:
Blüh im Glanze dieses Glückes,
blühe, deutsches Vaterland!
Komponist: Joseph Haydn (1732-1809)
Textdichter: August Heinrich Hoffmann von Fallersleben (1798-1874)
Quelle:
http://www.bundesregierung.de/Webs/Breg/DE/Bundesregierung/Nationalhymne/nationalhymne.html
Wer sie einmal online hören will, kann dies tun, einfach auf den oben angegebenen Link klicken!
Mehr Informationen und geschichtliche Hintergründe gibt es hier: http://www.bundesregierung.de/Webs/Breg/DE/Bundesregierung/Nationalhymne/GeschichteundEntstehung/geschichte-und-entstehung.html oder auch z. B. auf Wikipedia:
http://de.wikipedia.org/wiki/Deutsche_Nationalhymne
Silvio Ströver, Diplom-Pädagoge
Tags:1732-1809, 1798-1874, 19. Jahrhundert, 2011, Allgemeinbildung, August Heinrich Hoffmann von Fallersleben, deutsch, Deutschland, Geschichte, Identität, Joseph Haydn, Land, Nation, Nationalismus, Staat, Strövers Paedblog, Vaterland
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Donnerstag, 17. Februar 2011
Lilipuz ist eine Webseite des Westdeutschen Rundfunks (WDR 5). Diese Seite steht für das Hörfunk-Kinderprogramm des WDR. Das Kinderradio vermittelt auch im Internet auf gute Weise, was in der Welt gerade geschieht und bietet viele Informationen, Kultur-, Freizeit- und Spieletipps. Eine Rubrik, die ich besonders spannend fand, ist der “Zeitkreisel”: Geschichte. Spannendes aus der Vergangenheit.” Klicken Sie auf den folgenden Link, um mehr Geschichte zu erleben:
http://www.lilipuz.de/wissen/zeitkreisel/liste
Silvio Ströver, Diplom-Pädagoge
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Samstag, 12. Februar 2011
“Die Geschichte wandelt ihren Weg nicht wieder zurück. Alle Staaten, auch die noch keine Demokratien sind, werden von Jahrhundert zu Jahrhundert mehr demokratisch werden.”
Ernst Moritz Arndt
deutscher Schriftsteller und Politiker (1769 – 1860)
Quelle:
http://www.gutzitiert.de/zitat_autor_ernst_moritz_arndt_thema_demokratie_zitat_23290.html
Bildungstipp:
Wissenswertes über Länder und Kontinente gibt es hier:
http://www.welt-blick.de
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Dienstag, 21. Dezember 2010
“Wenn ich an die Weihnachten meiner Kindheit denke…”
Lesen Sie die Erinnerungen älterer Menschen in der “Erinnerungswerkstatt” nach. Dort können Sie erfahren, wie die Zeit z. B. zwischen 1900 – 1939 erlebt wurde:
Aus aktuellem Anlass habe ich hier einen Link für Sie, der auf eine der drei Weihnachtsgeschichten führt, die von Ingrid von Husen verfasst wurde: “Weihnachten in der Kindheit”
Hierzu auch ein Link, um auf die Seite zu gelangen, auf der alle übrigen Autoren aufgelistet sind. Dort haben Sie eine Übersicht über die jeweils geschriebenen Texte und können sich durch ganze Erzählungen zu unterschiedlichen Themen durchklicken:
http://www.erinnerungswerkstatt-norderstedt.de/autoren.htm
Quelle:
http://www.erinnerungswerkstatt-norderstedt.de/artikel/307_vh.htm
Tags:1900, 1939, 2010, Biografie, Erinnerungswerkstatt, Gerontagogik, Geschichte, Kindheit, Ströver, Strövers Paedblog, Weihnachten
Veröffentlicht in 2010, Bücher, Deutschland, Einrichtungen der Erwachsenenbildung, Elternarbeit, Erinnerungswerkstatt, Erwachsenenbildung, Erziehungswissenschaft, Familienpädagogik, Gerontagogik, Integration, Literatur, Menschenbildung, Menschenrechte, Pädagogische Bibliotheken, Pädagogische Geschichte, Pädagogische Weblogs, Pädagogisches Gedankengut & Zitate, Psychologie, Strövers Paedblog, Umgang mit Sterbenden & Tod | Keine Kommentare »
Donnerstag, 25. November 2010
Comenius verlor früh seine Eltern, Verwandte und später nacheinander seine Ehefrauen und zum Teil auch Kinder. Es war ein Leben voller Umbrüche, Not und Verfolgung in schwierigen Zeiten, die den Übergang vom Mittelalter in die Neuzeit ausmachten. Ein wichtiger Halt in seinem Leben war der christliche Glaube. Dabei gehört er einer Brüdergemeinde an, die den Laiendienst und nicht etwa das Kirchenamt betonte. Ihm war es wichtig, dass Menschen in Gottes Nähe sind und so innerlich zur Ruhe kommen können. Eine “Einübung ins Christentum” und die Konzeption einer “Natürlichen Pädagogik”standen daher an erster Stelle. Diese Pädagogik sollte anschaulich, beispielhaft und lebendig aufgebaut sein. Über das “natürliche” Verstehen sollte das zwanghafte Belehren gemieden werden. Schließlich entwickelte Comenius den Gedanken eines ganzheitlichen Wissens (Pansophie) mit dem Ziel, den Menschen allumfassend zu bilden und ihm die Möglichkeit zu geben, sein jenseitiges Leben schon auf Erden gut vorzubereiten. Comenius wollte aus der theoriebelasteten “Tretmühle Schule” einen gewaltfreien, spielerischen, praxisnahen Ort machen, musste aber erkennen, dass dies gesellschaftlich nicht gewollt war. Nach Comenius sollten alle (!) (Menschen) auf umfassende Weise in allen Dingen anschaulich unterrichtet werden. Prinzipiell sei jeder(!) Mensch in der Lage, alles zu verstehen. Der Stoff sei je nach Alter etc. graduell unterschiedlich zu vermitteln, jedoch zähle die eigene Einsicht, nicht die Autorität der Lehrer. Die Schulqualität soll verbessert, die Unterrichtszeit verkürzt werden. Anschaulich und lebensnah soll der Unterricht sein, für die Sinne anregend gestaltet sein. Die Begründung für dieses Verständnis zieht Comenius aus der Bibel, wo der Mensch – Mann und Frau – mit Gottes Ebenbild verglichen wird. Im Auftrag Gottes solle der Mensch versuchen, schöpferische Ordnung ins irdische Chaos herzustellen. Zwar bestimmt der Glaube grundsätzlich die menschliche Handlung, doch gründet diese auf Vernunft. Doch überhöht Comenius die Vernunft keineswegs, indem er sie über alles andere stellt, sondern betont, dass die eigene Wahrnehmung durch die Sinne ebenfalls wesentlich sind. Comenius selbst äußerte sich wie folgt: “Wie geartet die Kinder geboren werden, liegt in keines Hand. Aber dass sie durch richtige Erziehung gute (Menschen) werden, das steht in unserer Macht.” Comenius, ein Mensch, der selbst durch Höhen und Tiefen ging und im Glauben Halt gewann. Er war mehr als nur der erste “Kinderbuchautor.” Wer seine Pädagogik verstehen will, ahnt, wie wertvoll sie noch heute ist.
Silvio Ströver, Diplom-Pädagoge
Benutzte Quelle:
Regina Bojack, Barbara Bojack:
Comenius, ein moderner Pädagoge.
Wismar Discussion Papers / Heft 03/2008 (Kramer Hrsg.)
http://www.wi.hs-wismar.de/~wdp/2008/0803_BojackBojack.pdf
Tags:2010, Bibel, Bildung, Brüdergemeinde, Christentum, Comenius, Erziehung, evangelisch, Freikirche, Geschichte, Johann Amos Comenius, Pädagoge, Pädagogik, Strövers Paedblog
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Sonntag, 31. Oktober 2010
Dr. Choroschewa N. W. [Lehrstuhl für die Fremdsprachen an der WGPU (Wolgograd)] wird Ihnen diese Frage selbst beantworten, und zwar in einem 26-seitigem Pdf-Dokument. Ein Überblick über die geschichtliche Entwicklung der Pädagogik mit einem Aufgabenteil:
“Geschichte der Pädagogik von der Antike bis Gegenwart
Lehrmittel in der deutschen Sprache”
Um den Text zu lesen, klicken Sie bitte auf den folgenden Link:
http://vspu.ru/kafedra-inostrannyh-yazykov/dopolnitelnje%20materialj
/nemeckii-yazyk/uchebno-metodicheskie-posobiya/geschichte-
der-paedagogik-istoriya-pedagogiki-sbornik-tekstov-na-nemeckom-
yazyke-sostavitel-horosheva-n.v
Silvio Ströver, Diplom-Pädagoge
Tags:04 Mittelalter (450 - 1500 n. Chr.), 2010, Antike, Aufklärung, Bildung, Bildungswesen, Erziehung, Geschichte, Geschichte der Pädagogik, Strövers Paedblog
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Sonntag, 31. Oktober 2010
Eine knappe, einfach gehaltene Übersicht über den heutigen Reformationstag können Sie sich hier in Form einer Pdf-Datei herunterladen:
http://www.taubenschlag.de/cms_pics/Sebastian_Reformationstag.pdf
Gerade für diejenigen, die mit Halloween bereits aufgewachsen sind, ein gewiss wichtiger Bildungshinweis!
Und hier ein Link der Evangelischen Kirche zum Reformationstag:
http://www.reformationstag.de/
oder auch direkt hierhin:
Nachtrag:
Weitere kirchenpädagogische Links:
Bundesverband Kirchenpädagogik e. V.:
http://www.bvkirchenpaedagogik.de/
Wikipedia-Artikel: Kirchenraumpädagogik:
http://de.wikipedia.org/wiki/Kirchenraump%C3%A4dagogik
Silvio Ströver, Dipl.-Päd.
Tags:2010, Aufklärung, Beginn der Neuzeit, Bibel, Bildung, Brauch, Brauchtum, Ende des Mittelalters, Geschichte, Halloween, Kirchengeschichte, Kirchenraumpädagogik, Kirchpädagogik, lesen, Martin Luther, mündig, Pädagogik
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Mittwoch, 31. März 2010
Weil Katholiken einst während der Fastenzeit auch keine Eier essen durften, sammelten sich bis Ostern viele Eier an. Diese wurden allerdings ab Ostern erst mit dem Segen des Priesters gegessen. Damit man noch wusste, welche Eier nun für den Verzehr “freigegeben” waren und welche noch ungesegnet im Körbchen lagen, malte man – erfinderisch, wie man war – gesegnete Eier einfach rot an. Die rote Farbe stellte dabei das Blut Christi dar. Die Evangelischen übernahmen den Brauch, Eier einzufärben und erfanden wohl auch den Osterhasen. Nach und nach wurde es dann immer bunter… Wer sich einmal die geschichtlichen Hintergründe des christlichen Fests durchlesen möchte, sei hier auf die Webseite der Katholischen Kirche hingewiesen: http://katholisch.de/19927.html
Auch auf der Webseite der Evangelischen Kirche finden sich viele Informationen rund um das höchste, christliche Fest: Ostern – Wie der Hase zum Ei kam und die Eier in die Kirche. Kleine Geschichte der Osterbräuche. Von Sabine Damaschke (epd) http://www.ekd.de/glauben/feste/ostern/hase_ei_kirche.html Und schließlich einen Auszug der orthodoxen Kirche, die beschreibt, welche Speisen sie am Ostersonntag segnet:
“Im Volke lebt seit alter Zeit der Brauch, dem Artos entsprechend zum Ostertage ein kugelähnliches Brot, den Kulitsch, zu backen. Außer dem Kulitsch finden wir noch andere österliche Speisen auf den Tischen der Gläubigen, die Pas”cha, eine Speise aus Quark. Ei, Sahne und Zucker bereitet, und rotgefärbte Ostereier. Kulitsch, Pas”cha und die gefärbten Eier, bringt man am Ostersonntag nach der Liturgie oder am ersten Ostertage in die Kirche, und sie werden geweiht durch Besprengung mit heiligem Wasser bei Lesung des Gebetes, welches Quark und Ei segnet.
Für die Laien wird am Ostertage außerdem noch Fleisch in die Kirche zum Weihen gebracht…”
Quelle: http://www.russische-kirche-l.de/kalender/kalender-frame.htm Osterbräuche hin oder her. Wer sich in christlichen Ländern bewegt, sollte über christliche Bräuche auch Bescheid wissen. Entscheidend ist aber sicher, inwieweit man persönlich noch einen Bezug zu diesem Fest herstellen kann. Pädagogisch relevant ist es sicher, Kindern und Jugendlichen zu ermöglichen, dass sie an solchen Feierlichkeiten teilhaben können, um sich kulturell heimisch zu fühlen, um eine eigene, kulturelle Identität bilden zu können, was gerade in einer pluralen Welt- und Wertgegemeinschaft wichtig ist.
Silvio Ströver, Dipl.-Päd.
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Dienstag, 23. März 2010
“‘Lernen aus der Geschichte’ bietet der historisch-politischen Bildungsarbeit zur Geschichte des 20. Jahrhunderts eine Plattform. Thematischer Schwerpunkt ist die Zeit des Nationalsozialismus.’‘
Weiter heißt es:
“‘Lernen & Lehren’ bietet einen kostenlosen Fundus von Unterrichtsmaterialien und Methodenvorschlägen für Lehrer/innen und Pädagog/innen.”
Die Vereinsadresse lautet;
Lernen aus der Geschichte e.V.
c/o Institut für Gesellschaftswissenschaften und historisch-politische Bildung
FR 3-7
Technische Universität Berlin
Franklinstraße 28/29
D-10587 Berlin
Quelle: http://lernen-aus-der-geschichte.de
Wer sich also für Geschichte interessiert, insbesondere für die Zeit des Zweiten Weltkriegs, kann sich auf dieser Webseite jede Menge an Informationen und Materialien besorgen,
viel Erfolg dabei, den geschichtlichen Wissensdurst zu stillen:
http://lernen-aus-der-geschichte.de
Gruß,
Silvio Ströver, Diplom-Pädagoge
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Mittwoch, 10. Februar 2010
Ignoriert man die störende Werbung, erhält der Leser/die Leserin auf der folgenden Webseite interessante Fakten aus dem Leben des bekannten Schweizer Pädagogen Pestalozzi:
http://lehren-unterrichten.suite101.de/article.cfm/der_paedagoge_heinrich_pestalozzi_17461827
Silvio Ströver, Diplom-Pädagoge
Tags:1746–1827, 2010, Aufklärung, Freiheit, Geschichte, Heinrich Pestalozzi, Natur, Pädagoge, pädagogische Jahrhundert, Schweiz, Strövers Paedblog, Vernunft
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Dienstag, 22. Dezember 2009
Eine empfehlenswerte Übersicht über die Entwicklung der erziehungswissenschaftlichen Konzepte erhalten Sie auf der Webseite von Prof. Dr. Koring, Leiter des Lehrstuhls für Allgemeine Erziehungswissenschaft an der Technischen Universität Chemnitz-Zwickau: http://neibecker.wiwi.uni-karlsruhe.de/breiter/fertig/chemnitz/inhalt.htm#men%C2%B3
Silvio Ströver, Diplom-Pädagoge
Tags:2009, Allgemeine Erziehungswissenschaft, Ansatz, Ansätze, Begriffe, Die konzeptionelle Entwicklung der Erziehungswissenschaft im Überblick, Einführung, Einleitung, Erziehung, Erziehungswissenschaft, Fach, FH, Forschung, Geschichte, Hochschule, Konzepte, Konzeption, Koring, Pädagogik, pädagogisch, Pdf, Studenten, Studentin, Studium, Technischen Universität Chemnitz-Zwickau, theoretisch, Theorie, Uni, Universität, Vorlesung
Veröffentlicht in 2009, Allgemeine Pädagogik, Antipädagogik, Ästhetische Bildung, Befreiungspädagogik, Bildung, Bildungskanon, Broschüren & Info-Materialien, Demokratische Erziehung, Deutschland, Einrichtungen der Erwachsenenbildung, Empirisch Pädagogische Theorien, Erzieher, Erziehungsstile, Erziehungswissenschaft, Fachbildung, Geografische Bildung, Geschichte, Hochschulen, Humanistische Theorien, Informelle Bildung, Interaktionistische Theorien, Jena-Plan, Kognitivistische Theorien, Konstruktivismus, kontradiktische Beratung, Kritisch Erziehungswissenschaftliche Theorien, Mathematische Bildung, Menschenbildung, No Blame Approach, Pädagogen, Pädagogische Ansätze, Pädagogische Arbeitsblätter & Bildungsmaterialien, Pädagogische Fachliteratur, Pädagogische Geschichte, Pädagogische Studien, Pädagogisches Gedankengut & Zitate, politische Bildung, Primarbildung, Profession, Reformpädagogische Theorien, Sekundarbildung, Situationsansatz, sozialistische Erziehung und Bildung, Strövers Paedblog, Studenten, Tertiärbildung, Theorien, Wissenschaften, Wissenschaftspädagogik | Keine Kommentare »
Montag, 06. April 2009
Ein interessanter Link nicht nur für Geschichtslehrerinnen und -lehrer:
http://www.chronik-der-mauer.de
Silvio Ströver, Diplom-Pädagoge
Tags:2009, Berlin, Besatzung, Bildung, BRD, Chronik der Mauer, DDR, deutsch, Deutschland, erleben, Erlebnis, Erziehung, Geschichte, Geschichtslehrer, Kommunismus, Lernen, Mauer, Militär, Nachkriegszeit, nachvollziehen, Nationalsozialismus, Ostdeutschland, Pädagoge, Pädagogik, politische Bildung, Schule, Sozialismus, STASI, Tipp, Trennung, Vergangenheit, verstehen, Weltkrieg, Westdeutschland, Wissen
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Samstag, 11. Oktober 2008

Foto: © Copyright und Urheber-rechte: Silvio Ströver
Bereits gestern habe ich einen Naturpaedblog-Artikel über den Fliegenpilz verfasst: http://natur.paedblog.de/2008/10/10/roter-fliegenpilz-amanita-muscaria
Da erfahren Sie u. a. etwas über den Zusammenhang von Berserkern und Fliegenpilzen! Schließlich möchte ich auf eine neu veröffentlichte Seite über naturpädagogische Fachtermini im Naturpaedblog verweisen:
http://natur.paedblog.de/terminologie-begriffe
Gruß, Silvio Ströver, Dipl. Pädagoge
Tags:2008, Berserker, Erlebnispädagogik, Fliegenpilz, Germanen, Geschichte, Helden, Natur, Naturpädagogik, Sagen, Umwelt, Umweltbildung, Umwelterziehung
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Mittwoch, 08. November 2006
In letzter Zeit kam mir der Gedanke, dass es vielleicht auch heute noch so etwas wie eine pädagogische Ostalgie gibt, die unser pädagogisches Denken und Handeln (un-) bewusst leitet. Wenn man sich in den Medien umschaut, kann dieser Eindruck einer Ostalgie sicherlich bestätigt werden. Unter Ostalgie verstehe ich in erster Linie eine Romantisierung der ostdeutschen Vergangenheit. Wenn ich als Pädagoge über dieses Phänomen spreche, dann versuche ich, diese Ostalgie, wie ich sie nenne, unter pädagogischen Aspekten zu sehen. Gibt es so etwas, wie eine westdeutsche Siegermentalität, auch in pädagogischen Kreisen? Sicher mag das durchaus vorkommen, aber das wäre genauso unangebracht, wie eine Glorifizierung des kommunistischen Regiments, also eine Verklärung der DDR.
In einer Diskussion, an der ich teilnahm, wurde sinngemäß angedeutet, das heutige Bildungs-Deutschland würde gewisse Strukturen einführen, wie es in den Zeiten der sozialistischen Erziehung gängig und scheinbar auch ganz in Ordnung war, und zwar eine stärkere Verknüpfung von Unterricht und Betriebspraxis.
In der DDR war es bis zum Ende im November 1989 eine Tatsache, dass das Bildungswesen der SED unterstand (vgl. BASKE in ROTH: 1994, S. 566). Der Ministerrat war in diesem Kontext (Bildungwesen) dieser sozialistischen Einheitspartei untergeordnet und verfügte über drei Ministerien (M. für Volksbildung, M. für Hoch- und Fachschulwesen und das Staatssekretariat für Berufsbildung). SED-Beschlüsse waren auch im Bildungswesen bestimmend, die mithilfe parteilicher Instanzen und den Abteilungen für Volks- und Berufsbildung in Form einer Schulinspektion durchgesetzt und umgesetzt wurden. In (Hoch-) Schulen gab es keine Selbstverwaltung, sondern eine aus mindestens drei SED-Personen bestehende Leitung, die vorrangig bestrebt waren, SED-Politik vor Ort umzusetzen. Vertreter von Jugendorgansiationen hatten ein begrenztes Mitspracherecht, wenn es um Beratung ging.
Im Prinzip wird klar, dass die zentralistische SED-Struktur auch die Bildung komplett prägte: Ziel der DDR-Erziehung war die Bildung einer kommunistischen und sozialistischen Persönlichkeit, was besonders durch ideologische Lehre versucht wurde, die die marxistisch-leninistische Führung der Arbeiterklasse betonte.
Aufgrund staatlicher Programme erfolgte die pädagogische Arbeit schon im Krippen- und Kidnergartenwesen. DDR-Mütter wurden so auch entlastet und standen so der ostdeutschen Wirtschaft als Arbeitskraft zur Verfügung. Die vorschulische Betreuung war selbstverständlich kostenlos, nur das Essen musste bezahlt werden (vgl. BASKE in ROTH: 1994, S. 567 – 568).
Die zehnklassige “allgemeinbildende polytechnische Oberschule”, die “erweiterte a. p. O.”, die Sonderschulen und auch die Spezialschulen für Begabte standen für die sozialistische Schulbildung. Neben der sozialistischen Allgemeinbildung war die Anbindung an den Beruf ein zentrales Element der DDR-Bildung, sodass am Ende ein bewusst sozialistisch denkender und handelnder Mensch herauskommen sollte, der es versteht, sich an der kommunistischen Gesellschaft zu engagieren und diese mitzugestalten.
Die Berufsbildung (Volkshochschule, Betriebsakademie) sah vor, dass POS-Absolventen in zwei Jahren, ein kleiner Teil der Achtklässler in drei Jahren zum Facharbeiter ausgebildet wurden. Wer gar das Abitur in drei Jahren schaffte, erhielt gleich eine Doppelqualifikation, und zwar den Facharbeiterbrief und das Zeugnis mit der Hochschulreife. Neben einer verbindlichen, individuellen fachlichen Ausrichtung gab es auch gemeinsame Fächer, wie z. B. Staatsbürgerkunde, Sport etc.. Auch ungelernte und angelernte Kräfte wurden in der Berufsbildung zum Facharbeiter ausgebildet, sie holten also ihren Abschluss nach, “Werktätige” konnten ihre Schulbildung auffrischen und Facharbeiter einen Meister machen (vgl. BASKE in ROTH: 1994, S. 568 – 570).
Das Fachschulwesen vertiefte in 254 Fachrichtungen die vorhandene Berufsausbildung. Wer sich im technischen oder ökonomischen Bereich beruflich (höher) ausbilden lassen wollte, musste im Vergleich zu z. B. pädagogischen Berufsfeldern, in denen die POS ausreichte, auch über eine abgeschlossene Berufsausbildung verfügen. 25-köpfige Seminargruppen lernten in 32 bis 36 Wochen-Stunden im stark verschulten Direktstudium, dass trotz der Verschulung das freie und eigene wissenschaftliche Denken und Forschen ermöglichen sollte.
Das Hochschulwesen sah zunächst vor, die Studentenzahl unter Arbeiter- und Bauernkindern zu erhöhen, in einer zweiten Reform (1951) wurde das marxistisch-leninistische Grundlagenstudium und das zehn-Monate-Studienjahr eingeführt. 1967 erfolgte schließlich die “‘Meisterung der wissenschaftlich-technischen Revolution’” (vgl. BASKE in ROTH: 1994, S. 570).
Ein besonderes Merkmal war die enge Verzahnung von Hochschule, Industrie, Landwirtschaft und Gesundheitswesen. Besonders Begabte wurden entsprechend individuell gefördert. Noch 1983 war man bemüht, die Hochschulbildung effizienter zu gestalten.
Man erkennt also unschwer, dass das gesamte Bildungswesen der sozialistischen und einheitlichen Erziehung unterstellt war. Wesentliche Inhalte und Formen gab die SED vor. Bildung war also ein Ergebnis ostdeutscher Politik und kommunistischer Ideologie.
Wenn man sich vergegenwärtigt, dass das DDR-System ganz und gar totalitär war, kann man sich vorstellen, dass Bildung unter diesen Voraussetzungen eine andere Qualität und Richtung aufweisen musste, als Bildung, die in einem Staat gestaltet wird, der eben nicht totalitär ausgerichtet und organisiert ist.
Bernhard Marquardt, gebürtig 1950 in Ostdeutschland, studierte Soziologie und Wirtschaftswissenschaften in der DDR. Als er in einer US-Botschaft 1982 um politisches Asyl bat, war seine berufliche Laufbahn in der DDR beendet, er kam 1983 nach Westdeutschland und schrieb u. a.: “DDR – Totalitär oder autorität?”
Als Kenner des DDR-Systems kommt er zur Auffassung, dass die DDR ein totalitäres Gebilde bzw. eine Diktatur sei, da mehr als “nur” autoritäre Züge vorlägen.
Er fasst sieben Punkte zusammen, die er in seinem Buch weiter ausgeführt hat:
1. Unter der Führung der SED wird die politische Willensbildung in monopolistischer und “pseudodemokratischer” (vgl. MARKQUARDT: 1986, S. 64) Art wesentlich bestimmt und geformt.
2. Die offizielle Ideologie wird mit einem Absolutheitsanspruch formuliert (der “neue Mensch”).
3. Es gibt eine Massenbewegung, die zentralistisch und hierarchisch organisiert ist.
4. Mithilfe von Leitung und Planung werden ganze Lebensbereiche bestimmt (”Verfügungsanspruch”).
5. Herrschaft wird über staatliche Sicherheitsorgane erhalten.
6. Das staatliche Nachrichtenmonopol diktiert.
7. Soziale Beziehungen und der ganze Bereich der Ökonomie werden stark kontrolliert (”Beherrschung des Alltags”) (vgl. MARKQUARDT: 1986, S. 64 – 65).
Was auch immer die russische Besatzungsmacht mit Ostdeutschland vorhatte, als sie am 07.10.1949 die DDR konstituierte (Verkündung des Grundgesetztes der BRD: 23.05.1948), dieses totalitäre System sollte nach seinem 40. Geburtstag zusammenbrechen. Mit der Maueröffnung am 09.11.1989 kam es praktisch zur Auflösung der DDR. Am 23.08.1990 beschloss die DDR-Volkskammer mit einer Zweidrittel-Mehrheit den Beitritt zur BRD zum 03.10.1990. Mit dem Ende der SED endete dann natürlich auch die gesamte DDR-Erziehung, auch wenn gewisse Strukturen, wie z. B. ein besser entwickeltes Krippenwesen, noch heute vorhanden sind (vgl. DEUTSCHER BUNDESTAG: 1991).
Silvio Ströver, Diplom-Pädagoge
Hier benutzte Literatur:
BASKE, Siegfried: Pädagogik und Bildungswesen in der ehemaligen DDR. In: ROTH, Leo (Hrsg.): Pädagogik. Studienausgabe. München: Ehrenwirth Verlag, 1994, S. 563 – 571.
Deutscher Bundestag, Referat Öffentlichkeitsarbeit (Hrsg.): Fragen an die deutsche Geschichte. Historische Ausstellung im Reichstagsgebäude in Berlin, Katalog, Bonn: 1991, 17. Auflage. S. 367 – 371; S. 432 – 454.
MARQUARDT, Bernhard: DDR – Totalitär oder autoritär? (Tatsache und Meinungen, Bd. 55) Schweizerisches Ost-Institut, Bern: Verlag SOI, 1986.
Tags:BASKE, Bernhard, Bildung, DDR, DDR - Totalitär oder autoritär?, Deutscher Bundestag, Deutschland, Erziehung, Fragen an die deutsche Geschichte., Geschichte, Kommunismus, MARQUARDT, Ostalgie, Pädagogik und Bildungswesen in der ehemaligen DDR, SED, Siegfried
Veröffentlicht in 2006, Behörden, Bildung, DDR, Demokratiepädagogik, Deutschland, Erziehungsstile, Erziehungswissenschaft, Fachbildung, Hochschulen, Kindererziehung, Kinderkrippe, Menschenbildung, Menschenrechte, Pädagogische Geschichte, Schulen, sozialistische Erziehung und Bildung, Strövers Paedblog | 1 Kommentar »